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City-Logistik


Start date: 01.02.2006
Funded by:
Local project leader: Prof. Fleischmann
External scientists / cooperations: Bernd Löhle
Stadt Augsburg

Abstract

Als eine Maßnahme gegen die Feinstaubbelastung der Innenstadt erwägt die Stadt Augsburg die Einführung eines City-Logistik-Konzepts. Sie hat daher den Lehrstuhl für Produktion und Logistik der Universität Augsburg beauftragt, Möglichkeiten von City-Logistik-Konzepten für Augsburg zu untersuchen.
In einem ersten Projekt (Februar - Juni 2006) wurde das Potenzial von City-Logistik in der Augsburger Innenstadt ermittelt. In einem Folgeprojekt (Oktober 2006 - Juli 2007) wird derzeit die Machbarkeit untersucht.

Description

Die Idee der City-Logistik entstand zu Beginn der 90er Jahre und wurde damals in vielen Städten diskutiert und erprobt. Das Land NRW schrieb ein Förderprogramm für die City-Logistik mit der Laufzeit 1995-2000 aus. In den meisten Fällen bestand die City-Logistik in der Kooperation mehrerer Speditionen, die ihre Anlieferungen in die Innenstadt gemeinsam an einen spezialisierten Dienstleister übertrugen.

Die Entwicklung nahm aber einen anderen Verlauf. Viele dieser Projekte wurden gegen Ende der 90er Jahre wieder eingestellt. Eine der Ursachen dafür lag wohl im Trend zur starken Konzentration im Logistik-Markt. Es entstanden große Logistik-Dienstleister, die ein erhebliches Bündelungspotenzial in ihrem eigenen System nutzen und ihre Prozesse optimieren können, ohne auf Kooperationen angewiesen zu sein. Heute sind nur noch wenige City-Logistik-Projekte aktiv, so in Aachen, Düsseldorf und Regensburg.

Dagegen haben die Ziele der City-Logistik aufgrund des zunehmenden Güterverkehrs in den letzten zehn Jahre an Bedeutung gewonnen: Reduzierung des innerstädtischen Güterverkehrs und seiner zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen. Andererseits hat die Informations- und Kommunikationstechnologie, die für kooperative Konzepte von großer Bedeutung ist, erhebliche Fortschritte gemacht. Eine weitere Motivation für die City-Logistik ist die Feinstaubbelastung, deren Grenzwerte vielerorts nicht eingehalten werden können. Aus diesen Gründen erwägt die Stadt Augsburg die Einführung eines City-Logistik-Konzepts.

Der Lehrstuhl für Produktion und Logistik der Universität Augsburg hat in einer Vorstudie (Januar – Juni 2006) das Potenzial zur Reduktion von Fahrten und Fahrleistung in der Augsburger Innenstadt für verschiedene Bündelungsstrategien untersucht. Wesentliche Ergebnisse dabei waren:

  • Die klassische Form der City-Logistik, bei der nur diejenigen Speditionen kooperieren, die täglich in die Innenstadt liefern, hat eine sehr geringe Wirkung.
  • Eine erhebliche Reduktion (bis zu 50 Fahrten und 250 km pro Tag) ließe sich durch zusätzliche Bündelung der nicht speditionellen Anlieferungen (Werkverkehr) und der sporadischen speditionellen Anlieferungen an vereinzelte Empfänger erreichen.

Die Entwicklung eines wirksamen City-Logistik-Konzepts stößt damit auf die Schwierigkeit, dass anstelle weniger Kooperationspartner – wie im klassischen Konzept – eine Vielzahl von Teilnehmern (in Augsburg etwa 50), einzubeziehen sind, darunter auch die Empfänger (Betriebe des Einzelhandels, der Gastronomie und des Handwerks; im folgenden kurz ‚Innenstadtbetriebe’) und ggf. deren Lieferanten, soweit sie im Werkverkehr beliefert werden. Da den ordnungspolitischen Maßnahmen der Stadt enge Grenzen gesetzt sind, muss das Konzept auf freiwilliger Teilnahme basieren. Somit sind Wirtschaftlichkeit und überzeugende Vorteile für die Teilnehmer Voraussetzung für den Erfolg des Konzepts.

Auf diesem Hintergrund stellen sich die folgenden Forschungsfragen:
  1. Welches sind die Gründe, aus denen City-Logistik-Projekte eingestellt wurden, und welches sind die Erfolgsfaktoren der noch bestehenden Projekte?
  2. Wie muss ein City-Logistik-Konzept gestaltet werden, das eine Vielzahl von Teilnehmern und auch bisher im Werksverkehr belieferte Empfänger einbezieht, so dass es wirtschaftlich ist, die Service-Anforderungen der Empfänger erfüllt und eine nennenswerte Reduktion des Güterverkehrs bewirkt? Die Frage der Gestaltung betrifft sowohl die Logistik der Verkehrsbündelung (Zusammenführung der Verkehre, Umschlag, City-Belieferung, Tourenplanung) als auch den organisatorischen und rechtlichen Rahmen (Organisationsform, Tarife, Vertragsgestaltung).
  3. Durch welche Anreize können Speditionen und Innenstadtbetriebe zur Teilnahme an der City-Logistik motiviert werden?
  4. Wie sind die Chancen und Risiken für die Umsetzung des Konzepts in der Stadt Augsburg?

Die Fragen 1 bis 3 sollen sowohl allgemein als auch am Beispiel der Stadt Augsburg und im Hinblick auf die dortige Umsetzung untersucht werden. Die Voraussetzungen für die Untersuchung sind derzeit besonders günstig, da eine kürzlich abgeschlossene Vorstudie vorliegt, großes Interesse bei der Stadt Augsburg besteht und die Entwicklung des Güterverkehrszentrums Augsburg soweit vorangeschritten ist, dass Ende 2007 die ersten Ansiedlungen erwartet werden. Der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels hat sich in einem Positionspapier (LBE 2006) sehr positiv zur City-Logistik geäußert.

Gesamtziel des Vorhabens

Es soll ein innovatives City-Logistik-Konzept am Beispiel der Stadt Augsburg entwickelt werden, das einen möglichst großen Anteil des Lieferverkehrs wirtschaftlich bündelt, die Serviceanforderungen der Empfänger erfüllt und eine spürbare Entlastung des Güterverkehrs in der Innenstadt bewirkt. Das Vorhaben schließt außerdem die Umsetzung des Konzepts in der Stadt Augsburg, zumindest die Einführungsphase, ein.

Das Konzept soll alle Lieferverkehre zu den Innenstadtbetrieben – speditionellen Stückgutverkehr, Werkverkehr und ggf. Paketdienste – einbeziehen. Dagegen werden keine Dienste für Endkunden wie z. Bsp. Heimbelieferung und kein Lagerservice in City-Terminals betrachtet.

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